Newsletter

Der Mensch und Richter Ulrich Wetzel
Ulrich Wetzel absolvierte von 1976 bis 1977 sein Jurastudium zunächst an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg und wechselte anschließend nach Frankfurt an die Johann Wolfgang Goethe-Universität, wo er 1983 auch sein erstes juristisches Staatsexamen ablegte.

Nach der Ablegung seines 2. Staatsexamens war er zunächst als Rechtsanwalt tätig. Im September 1990 wurde er vom Hessischen Justizministerium zum Richter auf Probe ernannt. Anschließend arbeitete Ulrich Wetzel zunächst am Amtsgericht in Wetzlar- als Zivilrichter - und ab Januar 1992 als Straf- und Schöffenrichter am Amtsgericht in Frankfurt. Im Januar 1993 wurde er zum Richter auf Lebenszeit ernannt.
Zwischen 2002 und 2007 machte Ulrich Wetzel einen beruflichen ‚Break‘ und stand als Richter in der pseudo-dokumentarischen Gerichtsshow „Das Strafgericht“ auf RTL in rund 1.500 Folgen vor der Kamera.

‚Eines Tages rief die Produktionsfirma des Senders RTL bei mir an und fragte, ob ich Interesse hätte, bei einer Gerichtssendung mit zu machen. Nach einer längeren Überlegungszeit habe ich dieses Angebot angenommen und mich den ‚juristischen Drehbüchern‘ hingegeben.

Die Redaktion hat die Drehbücher der fiktiven Gerichtsverhandlungen erarbeitet. Jedoch waren die Fälle selbst immer an reale Geschehnisse angelehnt oder es wurden zwei verschiedene Fälle zusammengefasst,‘ so Ulrich Wetzel.

Er selbst konnte stets seine eigenen Ideen einbringen, allerdings wurden oft noch emotionale Komponenten ins Drehbuch eingebaut, um die Fälle etwas frauenaffiner zu gestalten. Die Drehbücher haben immer mit der Beweisaufnahme geendet. Sowohl das Plädoyer der Staatsanwaltschaft als auch das der Verteidigung sowie das Urteil wurden stets frei gespielt und es gab keine Vorgabe für den Ausgang oder für das, was gesagt werden sollte. Damit konnte Ulrich Wetzel seiner beruflichen Linie und seiner Entscheidungsfindung treu bleiben.

Nach der sechsjährigen Abstinenz vom richterlichen Amt kehrte er wieder auf seinen Richterplatz zurück.

Seit 2011 ist Ulrich Wetzel Direktor am Amtsgericht in Seligenstadt und ist neben seinen Verwaltungsaufgaben als Direktor im Dezernat für Familienrecht zuständig.
 
Richtig oder falsch, gut oder böse - aus der Perspektive eines Richters
Die Fragen stellte Andreas Wartenberg, Geschäftsführer der Hager Unternehmensberatung.
Wie kann es sein, dass jemand eine Straftat begeht und nur Bewährung bekommt? Zum Beispiel, dass nach einem Totschlag der Täter seine Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesprochen bekommt, wie ist das zu erklären?

Für das finale Urteil sind Recht und Gesetze entscheidend. Leider werden viele Fälle von der Presse häufig nur zusammengefasst bzw. es wird nur über das gesprochene Urteil berichtet. Die wenigsten Journalisten machen sich die Mühe, einer Verhandlung komplett beizuwohnen und die gesamte Beweisführung mit zu verfolgen. Dies hat zur Folge, dass häufig nur ‚halb richtige’ Zusammenfassungen publiziert werden und auch gerne falsche Fachbegriffe verwendet werden.
Ein Urteil wird nicht aufgrund der bestehenden Anklage gefällt, es bedarf der umfangreichen Beweisaufnahme, die letztendlich auch über das Strafmaß entscheidet.

Daher gibt es viele Urteilsverkündungen, die für Außenstehende nicht ohne weiteres nachvollziehbar oder plausibel erscheinen.

Hinter jedem Gerichtsurteil stehen im Normalfall viele Überlegungen, verschiedene Blickwinkel und vor allem ein gutes Maß an Aktenarbeit Es gibt über die reinen Paragraphen hinaus noch viele weitere Dinge, die Einfluss auf ein Urteil haben Die Grundlage jeder Urteilsfindung sind die Gesetze. Jedoch lassen die Gesetze einiges an Entscheidungsspielräumen zu, sodass es auch Ermessensspielräume für das Gericht gibt. So wirkt sich ein Geständnis zum Beispiel strafmildernd aus, was sogar im Gesetz geregelt ist.

Ob ein Geständnis ehrlich und aufrichtig ist oder nur taktisch mit Hinblick auf etwaige Strafmilderung herbeigeführt wurde, müssen der jeweilige Richter, der Vorsitzende und die Schöffen beurteilen. Hier helfen natürlich langjährige Erfahrung und ein sehr gutes Gespür für Menschen, um die richtige Einschätzung zu treffen.

Daher ist es empfehlenswert und auch seitens der Justizministerien gerne gesehen, wenn ein angehender Richter vor seinem Amtsantritt zum Beispiel bereits als Anwalt tätig gewesen ist. Der Beruf des Richters hat auch etwas mit dem Sinnbild eines ‚Sozialingenieurs‘ zu tun, man betrachtet den Menschen und auch sein soziales Umfeld im Gesamten und versucht, diesen Menschen zu bestärken und zu unterstützen, ihm die Möglichkeit seiner Besserung oder seine Lebensumstände zu geben.


Wird man für diese Rolle trainiert oder geschult?

An der Uni kann meistens nicht erlernt werden, wie man sich in reale Menschen oder komplexe Situationen einfühlen kann. Hier trifft man eher abstrakte Fälle an als reale. Am besten kann man den Bezug zu wirklichen Fällen im Rahmen eines Referendariates lernen und trainieren. Beispielsweise wenn man einen Richter oder einen Staatsanwalt in seinem Alltag begleitet, um echten Fällen vor Gericht beizusitzen. Im Referendariat erlernt man viele Instrumentarien, um beispielsweise die Wahrhaftigkeit einer Aussage zu erkennen. Die interessantesten und lehrreichsten Fälle kann man am Straf- und Familiengericht vorfinden.

Ein wichtiger Aspekt bei der Wahrheitsfindung ist beispielsweise die Körpersprache. Darüber hinaus gibt es einige objektive Kriterien, so können zum Beispiel Strukturbrüche in der Aussage mit Fragen über die ‚Nebenschauplätze‘ leicht überführt werden. Wenn ein Angeklagter eine Lüge auftischt und seine Geschichte aufbaut, die aber in sich nicht stringent ist. Oder aber auch wenn mehrere Zeugen, die sich vermeintlich abgesprochen haben, unterschiedliche Varianten der Nebenschauplätze erzählen.


Andreas Wartenberg: Vergleichbar ist dies bei der Personalberatung mit den Kandidaten, die bei der Frage nach der aktuellen Gehaltssituation erst mal aus dem Fenster schauen und anfangen zu rechnen.

Welche Faktoren fließen in die Urteilsverkündung mit ein?

Die Geschichte des Angeklagten ist zunächst sehr wichtig, der Eindruck, was hinter dem Angeklagten steht. Hat der Angeklagte bereits Vorstrafen oder ist die Person aktenkundig? Wie stellt sich das Leben der angeklagten Person dar, liegt eine schwere Kindheit oder eine familiär schwierige Situation vor?

Es gibt viele Heranwachsende im Alter von 12 -15 Jahren, bei denen eine Straffälligkeit quasi voraussehbar ist. Oft gibt es ein Elternhaus, das sich nicht kümmert und selbst Probleme mit dem eigenen Leben hat oder gar selbst straffällig ist, sodass die Rahmenbedingungen für sich schon sehr ungünstig sind. Zur Strafmaßfindung in solchen Fällen ist es wichtig, nicht nur eine Momentaufnahme zu bearbeiten, sondern die ganze Geschichte zu kennen und in einen Gesamtzusammenhang mit dem Täter zu bringen.

Der zulässige Strafrahmen ist festgelegt, aber der Richter hat innerhalb dieses Strafrahmens, der zum Beispiel bei gefährlicher Körperverletzung zwischen 6 Monaten und 10 Jahren liegen kann, einen hohen individuellen Ermessensspielraum, bei dem er relevante Umstände des Täters und seiner Vita zugrunde legen kann.

Natürlich fließen gleichzeitig auch Aspekte in das Urteil mit ein, welche Folgen die Tat für das Opfer mit sich bringt. Daher kann es in sehr ähnlichen Straftaten zu deutlich unterschiedlichen Strafmaßen und Urteilen kommen.


Was bedeutet freie Beweiswürdigung?

Die sogenannte freie richterliche Beweiswürdigung ist im §261 der Strafprozessordnung (StPO) geregelt. Hiernach soll der Richter über das Ergebnis der Beweisaufnahme nach freier Überzeugung entscheiden, die aus dem Inhalt der Verhandlung und den entsprechenden Beweisführungen gebildet wird.

Bei der freien Beweiswürdigung darf nur das berücksichtigt werden, was ordnungsgemäß in die Hauptverhandlung eingeführt wurde, zum Beispiel durch Zeugen und/oder andere Beweismittel. In jedem Fall ist die persönliche Überzeugung des Richters maßgeblich zur Festlegung der Schuld bzw. des Strafmaßes des Angeklagten. Nicht zulässig ist in Deutschland der Lügendetektor oder andere technische Mittel zur „Wahrheitsfindung“.

Liegen dem Gericht Zweifel an der Schuld des Angeklagten vor, gilt in Deutschland der Grundsatz ‚in dubio pro reo': „Im Zweifel für den Angeklagten“


Ist die Entscheidung eines Richters willkürlich?

Nein, es gibt klare Vorgaben seitens des Gesetzgebers, außerdem gibt es im deutschen Rechtssystem gute und fundierte Ausbildungen.

Manchmal hat man ein Bild des Tätertypus, wenn man die Akte zum ersten Mal liest. Wenn jedoch der Täter im persönlichen Auftreten einen gegensätzlichen Eindruck hinterlässt, entscheidet man nicht nach dem Aktenmaterial, sondern lässt auch den aktuellen subjektiven Eindruck über den Angeklagten in das ‚Gesamtpaket‘ der Urteilsfindung mit einfließen.


Andreas Wartenberg: Dies ist vergleichbar mit dem Lebenslauf eines Kandidaten. Wenn beispielsweise der Lebenslauf etwas schwach aussieht, aber der Kandidat von der Persönlichkeit und seinen Kompetenzen absolut dem gesuchten Stellenprofil entspricht, kann schon nach kurzer Zeit der Eindruck verfestigt werden, dass man den passenden Kandidat gefunden hat.

Willkür findet man zwar in allen Lebensbereichen und in allen Berufssparten – insbesondere dort, wo Macht ausgeübt werden kann. Menschen unterliegen Gefühlen, sind kränkbar, verfolgen eigene Interessen, und sind manchmal auch unsicher oder ängstlich. Oft aber ist es die Macht, verbunden mit charakterlichen Defiziten, die zu willkürlichen Entscheidungen führt.

Aus diesem Grunde ist es ganz besonders wichtig, dass gerade Richter charakterlich gefestigt sind. Willkürliche Entscheidungen dürfen für sie nicht in Frage kommen.


Gibt es ein Korrektiv für Richter - quasi eine übergeordnete Instanz?

Grundsätzlich ist gegen ein erstinstanzliches Urteil ein Rechtsmittel gegeben, nämlich die nächst höhere Instanz der Berufung oder Revision.

Im Laufe eines Verfahrens können sowohl ein Richter, die Schöffen oder auch der Staatsanwalt wegen Befangenheit vom Fall enthoben werden, dann werden diese Personen ausgetauscht. Wenn zum Beispiel ein Schöffe kurz während einer Verhandlung einschläft, kann er evtl. aufgrund Befangenheit ausgetauscht werden.
Stimmen aus der Zuhörerschaft
"Ein mitreißender Vortrag. Mit den sehr authentischen Darstellungen, die Herr Wetzel der Zuhörerschaft nahe gebracht hat, erhält das Strafgericht bzw die Arbeitsweise des Richters für mich ein vielfältigeres Bild, zu dem auch ein hohes Maß an Empathie gehört.“

„Der Vergleich von Angeklagten mit den passenden Kandidaten ist sehr reell, der eine erzählt ‚eigene Geschichten‘ über den Strafhergang, der andere über seinen aktuellen Job oder gar seine Gehaltssituation.“

„Ich hatte mich sehr über die Einladung zu dieser Veranstaltung gefreut. ‚Feuer im Schloss‘ bei Hager ist stets eine sehr wertige Veranstaltungsreihe. Hier stimmt alles, der Inhalt, die perfekte Organisation einschließlich des hervorragenden Essens“.

„Das Hager Team findet immer wieder neue spannende Themen, die mich als Gast faszinieren und für die ich mir den Abend gerne freihalte.
 
Optimales Technologiemanagement heißt weg vom Top-Down-Gedanken
Technologie und Business müssen eng miteinander verzahnt sein, damit ein Unternehmen erfolgreich sein kann. Daher ist es nicht ratsam, Strategien allein Top-Down zu verordnen.

Der Vorwurf der Entscheidungsträger ist allgegenwärtig: Teuer implementierte Technologien bringen für das Unternehmen kaum betriebswirtschaftlichen Nutzen. Dennoch verschlingen IT-Ausgaben einen immer größeren Teil des Budgets. Und das Wettrüsten geht immer weiter. Dabei verpassen es viele Unternehmen, Technologie als strategische Wettbewerbswaffe optimal zu nutzen.
Es klingt geradezu banal, ist aber fundamental: Management und Technologie müssen eine gemeinsame Strategie verfolgen und einander im Betrieb gegenseitig stützen. Dabei gilt es jede einzelne Strategiestufe gesondert zu betrachten: Je höher die strategische Ebene ist, desto mehr wird Technologie zu einem Begleitinstrument. Je stärker die Strategieebene in die operativen Themen und Bereiche hineinreicht, desto bestimmender wird die Technologie.


Was bedeutet dies nun für den Betriebsalltag?

Zunächst müssen die Fachbereiche die übergreifenden, auf höherer Ebene entwickelten Strategien verstehen und auch die Tragweite ihres eigenen Beitrags dazu einschätzen können. Hierzu müssen die Mitarbeiter im Technologiebereich die gesamtunternehmerische Strategie genau kennen, denn ihr Tun hat weitreichende Folgen. So wirkt sich jede Standardisierung auf die betrieblichen Prozesse und die Flexibilität aus. Vereinheitlichung und Zentralisierung spart einerseits Kosten, hemmt aber andererseits auch die Autonomie von Geschäftsbereichen.

Die Nicht-Informatiker – und zwar sowohl Anwender als auch Entscheider – müssen ihrerseits wissen, welche Technologie sie bei der Lösung ihrer Fragestellungen und Probleme unterstützen kann. Dafür ist ein häufig auftretender Anti-Technologie-Reflex zu überwinden. Auch Entscheidungsträger müssen sich mit technischen Lösungen so intensiv befassen, dass sie deren Bedeutung und Konsequenzen für ihr eigenes Handeln verstehen.

Konsequenterweise sollten unternehmerische Strategien darum nicht nur Top-Down eingeführt werden. Es sind immer auch Bottom-Up-Elemente erforderlich, um die nötige Akzeptanz und Unterstützung sowie Inputs von technischer Seite zu erhalten. Eine Mischung der beiden Ansätze bringt den größten Erfolg, wenn es darum geht, auch technische Innovationen optimal in ein Unternehmen und dessen Prozesse sowie Strukturen zu integrieren.

Der Austausch sollte aber auch im Alltag konsequent gelebt werden. Das Stichwort hierzu lautet „interdisziplinäre Arbeitsweise“. Es bedarf eines regelmäßigen Austauschs: einerseits über die Möglichkeiten der technologischen Mittel und andererseits den Wünschen von Anwendern und Entscheidungsträgern. Erst der gegenseitige Informationsfluss ermöglicht es, den erforderlichen Bedarf an Technologie herauszufiltern.

Wichtig ist aber, dass es sich dabei nicht um reine Nachfrage-Strukturen von Seiten der Anwender handelt. Denn neue technologische Ideen sollten nicht nur „on Demand“ entwickelt werden, sondern bereits eine Stufe zuvor in einer gemischten Teamorganisation evaluiert werden.

Dazu müssen aber auch das IT-Wissen und die aktuellen IT-Trends in Form von permanenten Aus- und Weiterbildungen Standard sein. Dies gilt sowohl für die IT- als auch für die nicht IT-Abteilungen. Denn nur so kann eine gemeinsame Sprache entstehen, eine ‚Knowledge Rotation‘ wobei es letztlich darum geht, realistische IT-Prioritäten zu setzen.
 

BITKOM-Logo_fuers-Web_D


bvmw
Stacks Image p325723_n148504

Platzierung

Stacks Image p325723_n148522

Evaluierung

Stacks Image p325723_n325524

Entwicklung

Stacks Image p325723_n292822

Veränderung

Haben Sie Fragen?
Wir stehen Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung:

Hager Unternehmensberatung GmbH
Zur Charlottenburg 3
D-60437 Frankfurt
Telefon: +49 69 95092-0
Fax: +49 69 95092-111
E-Mail: info@hager-ub.de
News
Über uns
Stacks Image p325724_n325719
Employment
Lifecycle
Solutions
Seit über 20 Jahren und mit mittlerweile knapp 90 Mitarbeitern tragen wir mit diesen Employment Lifecycle Solutions® kontinuierlich zum Erfolg unserer Kunden bei.

Folgen auch Sie uns:

tumblr xing linkedin facebook twitter